Was ist Spiritualität?

Als ich nach Skanda Vale kam, gab es nur eine einzige blühende Pflanze dort. Nun gibt es überall Blumen. Ich könnte nicht ohne Blumen leben. Das Leben lehrt uns, uns nicht von der Schöpfung zu separieren, sondern uns einzubringen. Das ist Spiritualität. 

Viele glauben, sobald von Spiritualität die Rede ist, man müsse sich isolieren und in einen Käfig begeben und so tun, als wäre man heilig. Tut das nicht, denn daran ist gar nichts spirituell.

Bringt euch ein
Spirituell sein bedeutet, sich einzubringen im Leben. Es geht darum, wie man sich selbst und sein Leben perfektionieren kann. Das bedeutet Spiritualität für mich. Es gibt nichts im Universum, dass sich nicht auf dem langen Weg der Perfektionierung befinden würde, um am Ende dieses Prozesses die Perfektion zu erlangen. Nichts ist von Dauer. Wir befinden uns in stetigem Wandel, ebenso wie die Jahreszeiten, in denen alles stetigem Wandel unterworfen ist, die Berge, die Erde, die Atmosphäre, alles Leben, die Pflanzen, die Bäume, alles wandelt sich. Was wir in diesem Leben für eine Veränderung erzeugen, ist von Bedeutung für die Generationen, die nach uns kommen. Wir tragen in unserem Leben diese Verantwortung, und wenn wir ihr nicht gerecht werden, dann wird die nächste Generation ebenso unverantwortlich sein und die Zerstörung weiter voran treiben.

Das ist unser aller Aufgabe. Seid bedacht bei dem, was ihr tut. Aufgrund dieser Bedachtheit vergangener Generationen könnt ihr heute durch wunderbare Alleen von Bäumen, Obstbäumen, Blumen und Obstplantagen gehen. Jeder, der einen Baum pflanzt, oder etwas für das Wohl der Natur tut, will die Ernte seiner Tat nicht selbst ernten. Es ist eine selbstlose Tat der Menschen, die sich fragen, was sie tun können, um die Natur und das Leben während ihrer Lebensspanne positiv zu beeinflussen.

Wenn man einen Baum pflanzt, kann es gut sein, dass man es nicht mehr erlebt, dass er gross wird und Früchte trägt. Wenn man Glück hat und es ein schnell wachsender Baum ist, dann kann man vielleicht einen Ahnung davon bekommen, was aus diesem Baum werden wird. Man muss zu einem guten Gärtner werden im Leben. Meine Aufgabe ist es, ein guter Gärtner zu sein. In euch habe ich meine “Pflanzen” und “Bäume”. Ich muss euch nähren und euch dabei helfen, gesund zu wachsen und nützlich zu werden im Leben, das euch umgibt. Ich bin ein Gärtner, der euch zurück schneidet und dafür sorgt, dass ihr gut wachst und der euch mit Nährstoffen versorgt, und das Bewusstsein für das Nährende ist unschätzbar für den Menschen. 

Diejenigen, welche im pädagogischen oder im therapeutischen Bereich arbeiten, sind ebenso Gärtner. Sie helfen ihren “Pflanzen”, zu überleben und sich spirituell zu entwickeln.

Erkennt die Göttlichkeit in allem
Was ist Spiritualität? Die göttliche Kraft, die allem innewohnt, zu erkennen und den Wesen zu helfen, sich zur Einheit mit dem Göttlichen hin zu entwickeln. Das ist die Entdeckungsreise für jeden Einzelnen von uns. Es ist die Entdeckungsreise allen Seins und ihr schreitet darin voran, immer weiter und weiter und überrascht euch selbst. Macht euch selbst nicht unglücklich und geht nicht zu ernst an das spirituelle Leben heran. Davon halte ich nichts. Sobald ihr zu ernsthaft werdet, sage ich langsam auf Wiedersehen, denn das ist nichts für mich.

Ich möchte, dass ihr gespannt seid auf die Spiritualität! Spiritualität bedeutet, wenn ihr Lust habt tanzen zu gehen, oder ins Kino, dass ihr dann das Göttliche mitnehmt. Wohin auch immer ich gehe, ich nehme die göttliche Mutter mit. Wenn mir jemand ein Glas Wein anbietet, dann sage ich: “Zum wohl Mutter”, und trinke es. Und sie teilt dann den Wein mit mir, der mit so viel Aufmerksamkeit hergestellt wurde.  Dieser Wein wurde in den Bergen mit viel Zuwendung hergestellt. Die Sonne hat ihn beschienen, die Erde hat ihn genährt. Missachtet ihn nicht als ein Getränk das euch an-schickert, sondern seht ihn als etwas, dass euer Leben bereichert. Wenn du das Leben zur Krankheit erklären willst, dann wird es eine. Wenn du ein erfolgreiches Leben willst und das Gute im Leben siehst, dann kannst du es verändern. Du kannst aus den schlimmsten Umständen einen Erfolg kreieren.

Soweit sollte das Ausmass an Losgelöstheit und Verantwortlichkeit reichen. Wir müssen lernen, mit dem zu arbeiten, was uns gegeben ist. Wenn du mit dem arbeitest, was dir gegeben ist, dann kannst du Herausforderungen aller Arten, die dich von dem abhalten wollen, was du tun willst, entgegentreten. Mach dir keine Sorgen! Stoss sie in die Rippen, wenn sie dir nicht geben wollen, was du für deine Arbeit brauchst. Schlag sie mit einem Lächeln im Gesicht, das ist die Kunst der spirituellen Entwicklung. Du musst das bekommen, was du benötigst, um denen, die Hilfe bedürfen und denen es schlecht geht, zu helfen. Du musst dazu in der Lage sein, dich vor diejenigen hinzustellen, die kein Interesse daran haben, den Armen, Kranken und Einsamen zu helfen. Du hast diesen Menschen gegenüber eine Verantwortung, das bedeutet Spiritualität. Mach dir keine Sorgen, führe einen guten Kampf, mir macht das Freude. Es ist meine Aufgabe, für die zu kämpfen, die in unglücklichen Umständen leben. Das muss auch dein spirituelles Ziel werden. 

Viele Leute glauben, dass Spiritualität nur Meditation und Langeweile und Eintönigkeit wäre. Das man nicht lächeln und nicht unartig sein kann. Tut all das und noch viel mehr.

Die göttliche Mutter ist der besste Flirt, den du im Universum finden kannst. Sie wird Freude daran haben, mit dir zu flirten, mit dem Leben zu flirten und dir beizubringen, wie du selbst zum Flirt werden kannst. Auch meine Aufgabe ist es, mit dem Leben zu flirten, mit dem Leben in seiner Gesamtheit und das Leben aufregend zu finden. Das bedeutet für mich Spiritualität. Wenn ich euch nicht begeistere für diese Art der Spiritualität, dann werdet ihr denken: “Gott sitzt da und wartet mit dem Hammer in der Hand. Erste Runde. Gehorche mir nicht und dann “Doink”. ( Guru tut so als würde er jemandem auf den Kopf schlagen, weil ihm nicht gehorcht wurde)

Dieses Element der  Angst wird den Menschen von Beginn an eingetrichtert, um die Menschen zu kontrollieren und sie den Autoritäten der Religionen unterwürfig zu machen. Das ist keine Spiritualität. Das ist der Grund dafür, warum sich viele junge Menschen von der Religion abwenden, weil sie sich selbst retten möchten. Wenn das Spiritualität sein soll, dann ist das nichts für mich. Ich würde es genauso machen. Ich würde davor wegrennen. Aber ich kenne die Göttliche Mutter, ich weiss, bei welcher Ungehörigkeit sie mitmacht. 

Ich war mit Krishna zusammen und ich kann euch sagen, sein Leben war nicht besonders heilig. Er war ein sehr ungezogener, kraftvoller, junger Mann. Ich bin mit ihm aufgewachsen. Er hat bei jedem nur denkbaren Unfug mitgemacht. Mehr noch hat er zu uns, seiner Gruppe von Freunden, gesagt: “Lasst uns ins Dorf gehen”, wenn die Dorfältesten nicht das taten, was er wollte, oder wenn er wusste, das da etwas nicht stimmt. 

Er ging dann zu den Dorfältesten und hat sie aufgemischt und wütend gemacht, bis sie merkten, dass etwas nicht richtig läuft, so wie sie es machten. Sie konnten mit seiner frechen Art nicht umgehen.  Er wollte eine Veränderung bewirken und das tat er, mit Liebe. Wenn keine Liebe vorhanden war und die Menschen seine Autorität in Frage stellten, dann hat er jede dafür nötige Position eingenommen, um die Rechtschaffenheit zu verteidigen. So ist das Leben spiritueller Menschen. Du musst dich in die Position bringen, in der du die Rechtschaffenheit verteidigen kannst. Was meine ich mit “Rechtschaffenheit”? 

Rechtschaffenheit bedeutet, den Leuten nicht zu gestatten, Ungerechtigkeiten gegenüber andern zu begehen und ihnen zu schaden. Ein Lebewesen nicht zu töten, nicht zu betrügen, nicht zu berauben, nicht zu schädigen, und Dharma zu errichten, gemäss eurem Glauben. Ich bin nicht hier, um euch vom Christentum zum Buddhismus, oder zum Hinduismus oder zu einem anderen „ismus“ zu bekehren und euren Geist zu verwirren. Ich bin da, um die Beweglichkeit eures Geistes zu kitzeln und ihn dazu zu bringen, korrekt zu funktionieren, ihm zu helfen, positiv zu denken, nicht negativ, euch nicht über das zu grämen, was vergangen ist, über die Vergangenheit, sondern euch um die Gegenwart zu kümmern. Jetzt ist der Moment, wo ihr die Kraft habt, euer Leben zu ändern. Die Vergangenheit ist ausser Reichweite, ihr könnt nicht ein i-Pünktchen der Vergangenheit ändern, aber ihr könnt aus den Fehlern lernen, die ihr gemacht habt. Ihr habt die Fähigkeit, jetzt zu euch selbst zu sagen: “Mensch, ich habe diese Erfahrungen gemacht, wenn ich nochmals die Chance habe, werde ich diese Fehler nicht wiederholen.” Ich möchte, dass ihr drüber in eurem Leben nachdenkt.

Die Kraft zur Veränderung, aber gleichzeitig mögt ihr in Umstände geraten sein, aus denen ihr euch nur schwierig freimachen könnt. Aber ihr könnt die Komplexität dieser Situation durch eure eigene positive Einstellung zum Leben ändern. Das ist, was Kontemplation ausmacht. Kontemplation bedeutet, alles wieder und immer wieder anzuschauen vom Augenblick an, da ihr aufwacht, bis zum Schlafengehen. Lasst nichts aus.  Begeistert euch für euer Leben, sodass ihr sagen könnt: „Gosh, ich will wirklich wach sein, vom Moment des Aufwachens bis zum Moment des Einschlafens.”

Ich weiss nicht, wie es bei euch ist, wenn ich aufwache und Swami mir den Kaffee zum Bett bringt in der Hoffnung, mich aufgestanden zu sehen und bereit, zu gehen, oder schon in die andere Welt gegangen. Er sagt: „Guru, bist du auf?“ Ich sage: „Ja, es ist ein schöner Tag, gib mir die Tasse Kaffee, lasst uns ein gutes Gespräch haben.“

Ich bin schon zur Geschäftigkeit bereit und mein Geist ist leer, ich will das Leben anderer Leute aktivieren, ich will die Leute für ein spirituelles Leben begeistern, sorgt euch nicht um euch selbst. Göttliche Freunde, es ist eine Zeitverschwendung, ich versichere euch, es ist eine Zeitverschwendung, hier zu sitzen und zu sagen: „Oh, mein Leben schwindet dahin, ich weiss nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll“. Wenn ihr nichts zu tun habt, kommt zu mir nach Skanda Vale, ich werde euch in Fahrt bringen bis ihr wisst, was tun. 

Das Leben ist Aufregung, das Leben ist Herausforderung, nehmt diese Herausforderung an, ihr habt das schönste Land in der Welt. Ich sage das nicht, weil ich gönnerhaft sein will; die Schweiz zieht mich an wegen der Schönheit der Berge, die sich in euch widerspiegelt. Diese Schönheit, diese Natürlichkeit in euch. Ihr seid wie die Natur, ihr nehmt Anteil an der Natur, eure Lebensweise ist natürlich, und ihr traut euch in die Natur, ihr bearbeitet die Felder, lebt auf Höfen, ihr tut das seit vielen Jahrhunderten.

Es ist mir teuer, denn ich sehe, jedes Mal wenn ich in den in den letzten fünfundvierzig, fünfundsechzig Jahren, in Asien, in Sri Lanka war, dass Veränderungen geschehen sind, und die Veränderungen machen mich traurig, und ich bitte, ich bitte euch, verhindert die Modernisierung hin zu einer materialistischen Gesellschaft. Obwohl die Schweiz als guter Bankplatz bekannt ist, bewahren die Leute, die ich hier sehe, ihr naturliebendes Naturell. Wenn ich eure Bauernhöfe anschaue, die Einfachheit derselben, der Kantone. Nein, nein, ihr müsst übertriebenen Wandel aufhalten, weil ihr diese Einfachheit sonst verliert.

Spiritualität und Gemeinschaft sind eins

Macht es nicht zu modern, kehrt um; als ich von Genf nach Bern fuhr, sah ich die hässlichsten Gebäude, und ich dachte „Woher haben sie die?“ Es gibt da eine ganze Reihe von Wolkenkratzern, einer nach dem andern, sicherlich, meine Freunde Politiker, ihr müsst all diese Leute unterbringen, ich verstehe das, aber man muss eine ökologische Lösung finden, die mit dem Lebensstil der Menschen vereinbar ist. Bitte, ich habe es in Großbritannien gesehen, als ich vor fünfundsechzig Jahren dort ankam. Vielleicht fragt ihr euch: „Was in aller Welt hat das mit Spiritualität zu tun?“ Es hat etwas damit zu tun.

Es hat mit Spiritualität zu tun. Die Leute waren einst in Familien zusammen, in Gemeinschaften, jedes Quartier in London war eine Gruppe aus Familien, sie haben sich alle gekannt, ich hatte viel Spass mit ihnen, aber langsam änderte sich das. Diese Häuser der Familien wurden verkauft, es wurden Hotels daraus, die Leute zogen aufs Land, sie bauten die genau gleichen Gebäude, die ich hier sah, es waren hässliche Strukturen, hässliche Gebäude als Mahnmale der Hässlichkeit, weil es an Vorstellungskraft fehlt.

Lasst eure Gemeinden und Gesellschaften das nicht tun. Ihr habt schöne Landschaften. Ich weiss, ihr müsst die Leute unterbringen, aber man kann eine Infrastruktur zur Verfügung stellen, die ein Leben unter guten Bedingungen ermöglicht. Ich würde sogar einige Berge aushöhlen und Gebäude in ihnen plazieren, um die Hässlichkeit der Gebäude zu verbergen. Und dann baut dort Strassen, ich sage euch, sie bauen gerade eine dieser schönen Strassen, um den Verkehr zwischen der EU und der Schweiz aufzunehmen, mit einer Maut, das ist gutes Business, das finde ich gut. All das ist Spiritualität.

Es gibt nichts, das man nicht unter dem Blickwinkel der Spiritualität betrachten sollte. Ökologie heisst Spiritualität, wie man leben kann, was man für eine Arbeit leistet, was für einen Lebensstil man leben möchte, was man seinen Kindern hinterlassen will, oder was für eine Verhaltensweise und was für eine Philosophie man verfolgen will, um sie der nächsten Generation zu übergeben. All das und mehr ist Spiritualität.

Pefektioniert euch in euch selbst. Die Leute sagen zu mir: “Guru, wie können wir die Welt da draussen verbessern?“ Man muss sich zuerst selbst verändern, nicht die Welt ausserhalb. Wenn ich beginne, mich zu ändern, und dies durch mein Beispiel sichtbar mache, zum Beispiel dadurch, wie wir leben in Skanda Vale, indem wir die Einfachheit unseres Lebens zeigen und anderen Leuten ermöglichen, dem zu nachzufolgen, und es so attraktiv machen, wie wir können, indem wir in unserm Leben natürlich sind, dann haben wir im Kollektiv einen Beitrag geleistet, den Lebensstil der Leute zu verändern. Das ist wichtig. Deshalb sagen wir, dass jedes Land sein Karma hat.


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